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Das Eisschießen im bayrischen Hochgebirge Der Bauer im bayrischen Hochgebirge hat nicht überall seine geheizte Kegelbahn, und er ist auch nich so verfroren wie unsere Städter, und so sucht er sich ein Spiel, das im Spiel und Leibesübung zugleicher Zeit ist. Auf abgesteckter Bahn stand ein kleiner Pflock, auf den das Einsatzgeld gelegt wurde: nun galt es, mit schweren eichernen Kreiseln in der Art unserer Steinmetzhämmer (die vom härtesten Holz und mit eisernem Reif umgeben sind und oft 20 - 24 Pfund wiegen) darnach zu schießen. Der kräftig gebaute Bauer mit dem strammen Fußgestelle holte, den Kreisel an dem krummen Griffe haltend, weit aus und schleuderte ihn so geschickt auf das Eis, daß er in gerader Linie, sich um sich selbst drehend, pfeilschnell davonflog. Aber trotz der Kraft und Geschicklichkeit trifft der Kreisel doch selten den Pflock, der sehr klein ist, und nur selten ertönt das laute, unnachahmlich Juchzen, das den Sieger begrüßt, dem der Einsatz zufällt. Gewöhnlich steht eine beträchtliche Schaar müßiger Kreisel um den Pflock, ehe einer getroffen. Hat aber keiner getroffen, so beginnt das Spiel in kleinerem Maßstab. Man stellt sich um die Kreisel und stößt sie mit dem Fuß an, und wer trifft, erhält einen Theil des Einsatzes. Bei diesem Kraftspiel kommt natürlich das Gefühl der Kälte nicht auf; es ist im Gegentheil gar komisch anzusehen, wie den Burschen miten im Winter der Schweiß von der Stirne rieselt, während sie in Hemdärmeln dastehen. Und wie schmeckt dann das Bier im Wirtshaus, wo man sich nach wohl vollbrachter Arbeit versammelt! Originaltext: Illustrierte Welt, um 1868 |